WB-IBB setzt Projektbesuche fort- Neuigkeiten von TecSol und CC-Iran

Am 05. und am 08. April 2019 waren Janis Vossiek und Fabienne-Agnes Baumann aus dem Osnabrücker wb-ibb-Team zu Gast im Ruhrgebiet, um gut ein Jahr nach dem ersten Kennenlernbesuch das Neueste aus den im Sommer 2017 gestarteten Projekten des GBB e.V. [Gesellschaft für Bildung und Beruf e.V.] zu erfahren.

TecSol

Im Wissenschaftspark Gelsenkirchen, der Wirkungsstätte des TecSol-Studienpartners FIAP [Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention], gab es zunächst die Möglichkeit, sich zu den Entwicklungen in dem in Brasilien angesiedelten Vorhaben auszutauschen. Mit dabei war per Videoschalte aus Rostock auch die SLV [Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt] Mecklenburg-Vorpommern, Fachpartner des Projekts, welches sich auf die Ausbildung von Fachkräften in der Schweißtechnik im Großraum Sao Paulo konzentriert.

Vom TecSol-Team gab es viel positives zu berichten, so profitiert man aktuell von einer veränderten Gesetzeslage in Brasilien, die die Einhaltung von für das Schweißen relevanten ISO-Standards zukünftig verpflichtend macht. Die neue Verordnung ist insbesondere den verstärkten Exportbestrebungen der brasilianischen Regierung und Wirtschaft geschuldet. Wenn brasilianische Produkte bspw. den EU-Markt bedienen wollen, müssen diese Produkte den bereits geltenden EU-Standards genügen.

Zudem ist nach dem Ausscheiden der brasilianischen Zertifizierungs- und Regulierungsanstalt für die Schweißtechnik aus dem Markt ein institutionelles Vakuum entstanden, was zusätzliche Dynamik in die brasilianische Schweißerbranche bringt.

Nach einer umfangreichen Sondierung von Qualifikationsbedarfen vor allem im industriellen Herzen Brasiliens – Sao Paulo – im vergangenen Jahr, lautete der Befund des Projektteams, dass man vor allem auf der Ebene des Schweißfachmanns viel ausrichten könne. Eine entsprechendes Weiterbildungsangebot für Mitarbeiter stieß auf großes Interesse Unternehmen relevanter Branchen, so dass ab Herbst diesen Jahres eine erste Kohorte zukünftiger Schweißfachmänner einen auf praktischer Unterweisung und Theorieunterricht (unterstützt mit e-learning Modulen) basierenden Kurs absolvieren wird. Vorraussichtlich werden die ersten Zertifkate im Frühling 2020 ausgehändigt werden können.

Bei der Durchführung des Kurses strebt TecSol die Zusammenarbeit mit dem renommierten Centro Paula Souza an, möglicherweise aber auch eine Kooperation mit anderen Ausbildungszentren oder Unternehmen.

CC-Iran

Im Evinger Schloss in Dortmund empfing das Team des im Bereich der Kälte- und Klimatechnik aktiven Projekts CC-Iran zum 2. Projektbesuch. Neben Konsortialführer GBB e.V. waren auch die übrigen Projektpartner anwesend: FIAP begleitet das Vorhaben als Studienpartner und die IKKE gGmbH [Informationszentrum für Kälte-, Klima- und Energietechnik] agiert als Fachpartner.

Im vergangenen Projektjahr konnte CC-Iran einiges erreichen. So wurden als wichtige Voraussetzung für die weitere Realisierung der geplanten Bildungsmaßnahmen Vereinbarungen zur Zusammenarbeit mit iranischen Partnern, sog. Memoranda of Understanding unterzeichnet (TVTO, TVU, SRRTU und IRCEO). CC-Iran strebt an, im Iran im Sinne eines Multiplikatorenansatzes Ausbilder zu qualifizieren, die zukünftig die berufliche Ausbildung in der Kälte- und Klimatechnik durchführen können. Das Land habe hier laut Einschätzung der Projektakteure großen Nachholbedarf, vorhandene KK-Anlagen entsprächen nicht den heutigen technischen Standards und stellten so ein Risiko für Mensch und Umwelt dar und seien wenig energieeffizient. Wichtige Voraussetzung für die Ausbildung sei daher auch, schon die Ausbildungsstätten mit entsprechenden Anlagen auszustatten, an denen die Planung, Installation und Wartung praktisch geübt werden könne.

Man möchte durch die Projektaktivitäten langfristig bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls, welches der Iran unterzeichnet hat, unterstützen und die Einhaltung internationaler Standards für die Kälte- und Klimatechnik ermöglichen. Weiterhin sei ein zukünftiges Thema sich entlang der Wertschöpfungskette zu orientieren und auch die Entsorgung von Materialien und Geräten in den Blick zu nehmen. Hierzu sei die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren wie etwa dem iranischen Umweltministerium nötig.

Ziel für die Umsetzung weiterer Maßnahmen bspw. die Weiterbildung von Dozenten in den Ingenieurswissenschaften an Universitäten ist es, gemeinsam mit den iranischen Partnern eine Akademie zu gründen, die in diversen Bereichen kostenpflichtige Zertifkate anbieten kann. Eine gute Verausstzung sei, dass CC-Iran im Rahmen des Projektkontexts bereits Akteure der iranischen Berufsbildung und aus der Branche zusammenbringt, die sonst nicht mit einander kooperieren würden.

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Wir danken beiden Projektteams für den offenen Austausch und wünschen weiterhin viel Erfolg für die Umsetzung der Vorhaben!